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Lesen und Schreiben kann doch in Deutschland jeder – oder?

 

Nein, leider nicht. Eine aktuelle Studie zum Analphabetismus, die „leo“ (Level‐One)‐Studie, zeigt, dass es in der Realität in Deutschland erhebliche Defizite gibt, was die sogenannte Grundbildung anbelangt - so gibt es ca. 7 Mio. Menschen, die als funktionale Analphabeten bezeichnet werden können. Funktionaler Analphabetismus bedeutet: Es gelingt dem betroffenen Menschen zwar, einfache Sätze zu lesen und zu schreiben, nicht jedoch zusammenhängende Texte – auch wenn diese sehr kurz sind. Diese Menschen haben also mit massiven Einschränkungen ihrer Teilhabe am alltäglichen Leben in der Gesellschaft zu kämpfen – denn eine aktive Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger am gesellschaftlichen und politischen Leben in Deutschland sowie in Europa setzt mündige, aufgeklärte Menschen voraus, Menschen, die lesen, schreiben und rechnen können, möglichst eine Fremdsprache sprechen und ein gewisses Maß an sozialen und personalen Kompetenzen besitzen.

 

Diese 7 Mio. Menschen entsprechen ca. 14,5 Prozent der deutschsprechenden Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren. In dieser Altersgruppe sind 57 Prozent erwerbstätig, und bei 42 Prozent ist Deutsch nicht die Muttersprache.

 

Bemerkenswert ist die Erkenntnis aus vielen Untersuchungen und Befragungen, dass funktionaler Analphabetismus nicht nur Geringqualifizierte betrifft, sondern dass vermehrt auch Menschen mit mittleren und höheren Bildungsabschlüssen Defizite in diesen Bereichen haben. Gerade vor dem Hintergrund des drohenden und teils schon akuten Fachkräftemangels in Schleswig-Holstein stellt die Förderung von Menschen mit Grundbildungsdefiziten eine Möglichkeit dar, regional vorhandenes Humankapital zu stärken und zu nutzen, um die Herausforderungen des Arbeitsmarktes zu meistern. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine stärkere Vernetzung der Bildungs‐ und Arbeitsmarktakteure der Region unbedingt erforderlich. Dieser Aufgabe widmet sich das Projekt „Grundbildungsinitiative für mittelständische Betriebe in Schleswig-Holstein (GRiBS)“ seit 2012.

 

Seit Oktober 2014 widmet sich das Projekt GRiBS noch einmal fokussiert der Gastronomiebranche: Hier werden, in enger Kooperation mit den Unternehmen der CSR-Initiative „Gute Gastgeber“ des ver.di Forms Nord in Neumünster die besonderen Bedarfe in Bezug auf Grundbildungskompetenzen im Hotel- und Gaststättengewerbe erhoben und eine branchenspezifische Schulung des bewährten Coaches für Grundbildungskompetenzen entwickelt. Mehr dazu finden Sie hier.